Der VW Bulli – Geschichte eines Kultautos

20. Mai 2022

Der VW Bulli dürfte den meisten Deutschen von der Optik oder zumindest vom Begriff her vertraut vorkommen. Der kleine Bus mit charmanter Optik und zweigeteilter Windschutzscheibe hängt auch heute noch in vielen Wohnungen als Poster an der Wand oder steht als Modellauto auf seinem Ehrenplatz im Wohnzimmerregal. Auf den ersten Blick vielleicht nur ein etwas geräumigeres Auto, aber auf den zweiten so viel mehr. Für den einen war er der erste massentaugliche Kleintransporter, für den anderen ein Symbol des Wirtschaftswunders. Egal ob Hippie oder Surfer Liebling, Camper oder Transporter, eines ist auf jeden Fall klar: Der VW Bulli hat absoluten Kultstatus. Wir möchten die Geschichte des Allrounders einmal von ganz vorne aufrollen. Was für eine Entwicklung hat der VW Bulli bereits hinter sich und welche vielleicht noch vor sich? Fangen wir von ganz vorne an…

Wie alles begann

Die Geschichte des Kult-Fahrzeugs beginnt im Jahr 1939 als ein erster patentierter Vorschlag eines massentauglichen Transportfahrzeugs in einem Konstruktionsbüro der Porsche GmbH auftaucht. Dieses Konzept wird erst im Jahr 1947 wieder aufgegriffen, als ein niederländischer Geschäftsmann namens Ben Pon bei einem Besuch des Herstellungswerks in Wolfsburg erste Skizzen anfertigt, die später die Grundlage für die Konstruktion des ersten VW Bullis dienen sollten.

Der erste VW Bulli wird 1949 vorgestellt und beruht auf dem Chassis des VW Käfer. Seine neu geschaffene „Bus-Klasse“ ist bisher einzigartig. Nur ein Jahr später im März 1950 rollen die ersten 10 VW Bulli der Generation T1 vom Band des Standorts Wolfsburg. Bis zum Jahr 1967 sollen es über 1.8 Millionen Einheiten von genau diesem Typ sein, die einen Abnehmer finden. Schnell wird der VW Bus dank seiner vielseitigen Einsetzbarkeit zu einem weltweiten Verkaufsschlager. Und nicht nur Privatbürger nutzen ihn: Schnell entdecken Feuerwehr, Polizei oder Post die vielfältige Einsatzmöglichkeit für sich. Die ersten mobilen Blitzeranlagen werden in der Transporter Legende verbaut und machen Rasern das Leben schwer.

Erste Versionen werden nur als Nutzfahrzeuge, also lediglich mit Fahrersitzbank sowie einer großen Ladefläche im Hinterraum produziert. Nur ein Jahr später wartet bereits der Kombi auf zahlreiche Menschen, die den Bulli vor allem für die Beförderung von Passagieren nutzen. Mit zwei zusätzlichen Reihen für Passagiere sowie Fenster rund um den Innenraum war der Bulli bereit für viele weitere Aufgaben.

Freiheit und Individualismus

Nicht nur stellte der zusätzlich gewonnene Platz im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen dieser Zeit ein absolutes Novum dar, sondern auch die Einsatzmöglichkeit des Kult-KFZ konnte kaum vielseitiger sein.

Für viele Menschen, die in der Nachkriegszeit groß wurden, stellte der Volkswagen eine Möglichkeit dar, die Freiheit und Reiselust, welche mit dem Wirtschaftswunder einhergingen, auszuleben und zu verkörpern. Nicht lange und die ersten Werbespots zeigten Familien im VW Bulli auf dem Weg in den Sommerurlaub – meist Italien. Aber egal ob Adria oder Nepal: Der VW Bulli fand zu dieser Zeit zunehmend einen Platz im Camper Milieu oder wurde für Tagesausflüge genutzt. Das Gefühl mal schnell mit der ganzen Familie irgendwohin zu können war neu. Kein Wunder, dass der Bulli in vielen Fällen nicht nur Mittel zum Zweck, sondern wie ein 2. zu Hause wurde. Es wurden Vorhänge selbst gestrickt, erste Campingküchen verbaut oder die Außenfront verziert. Der Individualismus wuchs zusammen mit dem Gefühl, sich frei in dieser Welt bewegen zu können.

Innerhalb kürzester Zeit bilden sich ganze Fan-Clubs, in denen sich Bulli Fahrer zusammenschließen und eigenen Veranstaltungen planen, natürlich immer mit dem VW Bus im Gepäck. Der ideelle Wert des Fahrzeugs wächst mit jeder neuen Erfahrung, jedem Urlaub und jedem Ausflug, so sehr, dass er zu einer wahren Ikone der Automobilgeschichte wird.

Von Hippies und Surfern

Nicht nur in Deutschland begeistert das Raumwunder auf 4 Rädern die Menschen: Immer mehr Menschen in Nordamerika lassen sich von dem Hype rund um den VW Bulli anstecken. Das geht sogar so weit, dass jedes dritte Modell der T2-Reihe des VW-Busses in die USA exportiert wird.

Dort entdeckt vor allem eine Gruppe den VW und den mit ihm verbundenen Lebensstil für sich: die Hippies sowie Anhänger der 68er-Bewegung. Heute könnte man sagen der VW Bulli gehört zu Hippies genauso wie Blumenhemden und so wird ein VW Bus zum Gesicht einer ganzen Bewegung. Das Woodstock Festival im Jahr 1969 zog junge Menschen aus dem ganzen Land an, die reihenweise in bunt bemalten Bullis anrückten. Aber auch Surfer rund um den Globus kennen den Bulli als ihr Markenzeichen an. Er taucht überall auf, wo Menschen besonders nach dem Gefühl von Freiheit und Individualität streben. Zufall? Sicher nicht!

Wie ging es weiter?

Der VW T1 wurde im Jahr 1950 insgesamt 8000-mal gefertigt, vier Jahre später waren es bereits 100.000 Wagen, die vom Fließband rollten. Die Nachfrage steigt so schnell, das Wolfsburg mit seinen Produktionskapazitäten bald an seine Grenzen stößt. Innerhalb nur eines Jahres wird in Hannover die erste eigens auf die T-Modelle zugeschnittene Produktionsstätte errichtet. Ein Meilenstein der Bulli Historie.

Mit dem Typ 2, dem Nachfolger des Kult-Modells T1 kommen vor allem einige technische Neuerungen hinzu, äußerlich passiert zunächst nicht sonderlich viel.

Erst mit dem T3 kommt das große Make-Over, das Bulli Fans bis heute spaltet. Der VW Bus verliert seine runde, bullige Form und an seiner Stelle finden sich schnittige Kanten und klare Linien wieder. Ein Verlust für manche, für andere eine dringend notwendige Überholung des alten Designs. Ab 1979 werden die neuen T3 Modelle produziert. Neben dem überarbeiteten Form wird der Bulli auch bedeutend größer. Auch die California Reihe wird mit dem T3 eingeführt,den es erstmals auch mit dem bekannten Dachzelt gibt.

An das Design wie wir es heute meistens kennen erinnert erst der T4 der Kleinbus Reihe. Ab 1990 wird das Fahrzeug mit Frontantrieb ausgestattet und erweitert das Repertoire an Ausbaumöglichkeiten nochmal deutlich im Vergleich zu seinem Vorgänger.

Der VW Bulli heute

Ab 2002 kommt dann der T5. Erstmals mit 3 verschiedenen Dachhöhen und angepassten Multimedia-Funktionen. Ein erstes Facelift folgt dann mit dem T6 im Jahr 2015. Diese Version wird jedoch nochmals überarbeitet, um endgültig als T6.1 ab 2019 an den Start zu gehen. Hinzu kommt vor allem ein Sammelsurium an technischen Neuerungen sowie verbesserten Assistenzsystemen, um den Bulli vollends in der Welt der Digitalisierung ankommen zu lassen. Auch unsere Flotte besteht zu einem großen Teil aus VW California T6.1 Modellen und ist selbstverständlich bestens für Camping und Urlaub ausgestattet.

Mit nur leichten Schwankungen der Verkaufszahlen ist der VW Bus immer noch einer der stabilsten Modelle im VW Repertoire. Jährlich werden alleine in Hannover und in Polen rund 200.000 Fahrzeuge produziert und ausgeliefert. Insgesamt rollten weltweit bereits unfassbare 13 Millionen T-Modelle über die vielen Straßen dieser Welt. Und diese bereits über 70 Jahre anhaltende Erfolgsgeschichte soll sich auch in Zukunft fortsetzen.

Die Zukunft ist elektrisch

VW bricht 2022 erstmals mit der Namensgebung der T-Reihe. Verständlich, wenn man den technischen Sprung und die Designveränderung in Betracht zieht. Mit dem ID. Buzz wird der Bulli erstmals vollständig elektrisch. Der Elektrobulli ist kaum mit seinen Vorgängern zu vergleichen und Neuerungen wie Fahrerassistenzsysteme und Over-the-Air Updates rücken den VW in ein nahezu futuristisches Licht. Aber bei einer Sache dürften Nostalgiker Herzen höher hüpfen: Der ID. Buzz weicht erstmals seit dem T3 von seiner eckigen Kastenform ab. An dessen Stelle rückt ein Korpus, der unverkennbar an den Oldschool Bulli der 50er Jahre erinnert, aber diesen gleichzeitig mit einem frischen, modernen Look verknüpft.

VW setzt bei der Produktion vor allem auf Recycling und nachhaltige Rohstoffgewinnung. Das Interieur kommt vollständig ohne Tierleder aus und eine bilanziell CO₂-neutrale Auslieferung zum Schutz der Umwelt wird versprochen.

Es ist bisher zu früh zu sagen, ob der ID. Buzz auch mit seiner Leistung und Reichweite überzeugen kann. Eins ist jedoch sicher: Der Bulli ist für die meisten viel mehr als einfach nur ein Auto mit mehr Platz. Seit Generationen verbinden ihn Menschen mit einem ganz besonderen Lebensgefühl voller Freiheit und Individualität. Die Ikone aus deutscher Fertigung schlägt nun zwar eine neue Richtung ein, seine Geschichte bleibt aber unantastbar.