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Vreni

Für Vreni ist Campingurlaub der Inbegriff von Freiheit

Wildcampen mit dem Camper

Camping steht für Freiheit. Einfach losfahren und überall stehen bleiben, wo es einem gefällt. Soweit der Traum – jetzt zur Realität. Kann man sich mit dem Camper einfach so an den Straßenrand oder den nächsten Parkplatz stellen? Was ist wo erlaubt und was nicht? Und was gibt es zu beachten, um Camping und Naturschutz optimal miteinander zu verbinden?
Das sagen die Gesetze
In Europa gelten sehr unterschiedliche Regelungen zum frei Stehen mit dem Camper. Sehr speziell wird es vor allem, wenn es ums Zelten oder Übernachten unter freiem Himmel geht. Hier greifen in Deutschland die jeweiligen Gesetze der Bundesländer. Und es macht einen Unterschied, ob man mit dem Zelt oder einem Biwak unterwegs ist. In Deutschland können bei Nichtbeachtung der Gesetze bis zu 5.000 Euro Strafe winken.

Wir konzentrieren uns nun aber auf das Übernachten im Camper außerhalb speziell eingerichteter Campingplätze und sehen uns die einzelnen Länder genauer an.
Wildcampen mit dem Camper
In Deutschland gilt: Man darf überall dort, wo es nicht ausdrücklich verboten ist, für eine Nacht (aber auch nicht länger) mit dem Camper stehen bleiben. Diese „Fahrtunterbrechung“ dient offiziell aber nur der „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“. Konkret: Wer sich zu müde fühlt, weiterzufahren, darf – egal zu welcher Uhrzeit – auf einem geeigneten Parkplatz stehen bleiben und sich so lange ausruhen, bis er wieder weiterfahren kann. Auch auch nur so lange. Deshalb sollte man nicht den Eindruck erwecken, dass man dort langfristig campen möchte. Stühle raus, Markise ausfahren, grillen und stundenlang chillen – leider Fehlanzeige. Auch empfiehlt es sich, möglichst spät „anzureisen“ und am nächsten Tag zeitig weiterzufahren. In der Regel wird eine Standzeit von nicht länger als 10 Stunden angenommen.

Diese Regelung gilt grundsätzlich auch für Belgien. Hier darf man maximal 24 Stunden frei stehen bleiben, wenn kein Straßenverkehr behindert wird. Leider sieht es in der Realität aber so aus, dass viele Parkplätze mit entsprechenden Verbotsschildern versehen sind.

Vor allem in Frankreich aber auch in Österreich, Polen, Italien und der Schweiz ist die Gesetzeslage etwas verwirrend. Grundsätzlich ist Wildcampen hier überall nur mit Genehmigung der Behörden erlaubt. Viele Regionen oder Orte haben zusätzlich auch noch eigene Regelungen. In den österreichischen Regionen Tirol und Wien ist das freie Stehen mit dem Camper zum Beispiel komplett untersagt. Ebenso in den Schweizer Regionen Tessin, in Graubünden, Genf und Waadt. Grundsätzlich untersagt ist Wildcampen in Naturschutzgebieten, an Seeufern, in Wäldern und in Nationalparks.

Die Niederlande gelten als DAS Campingland schlechthin. Leider sind dort und auch in Luxemburg die Regeln aber sehr streng, bzw. eigentlich ist freies Stehen nirgends wirklich erlaubt. Klüger ist hier tatsächlich der Campingplatz oder ein offiziell ausgewiesener Stellplatz. Auch in Dänemark und Finnland ist freies Stehen nur auf Privatgrund gestattet.

Ganz anders sieht es in Schweden und Norwegen aus. Es gibt dort das so genannte ‚Jedermannsrecht‘, das besagt, dass die Natur jedem „gehört“, auch Gästen des Landes. Allerdings unterliegt das freie Stehen auch hier gewissen Regeln. Das Übernachten an einem Ort außerhalb eines offiziellen Camping- oder Stellplatzes ist auf eine Nacht beschränkt. Auch dürfen Waldwege, wegloses Gelände oder Naturschutzgebiete nicht befahren werden. Ansonsten ist das hier aber absolutes Campingparadies. Auch in Estland, Lettland und Litauen darf man außerhalb geschlossener Ortschaften jederzeit eine Nacht verbringen.

Auch auf Island ist Wildcampen, sowie das freie Stehen mit dem Camper offiziell verboten. Dieses Verbot wird jedoch oft nicht verfolgt oder anders ausgedrückt: das freie Stehen wird für eine Nacht toleriert. Nur nicht in Nationalparks und Naturschutzgebieten.
Übernachten im Camper
In Großbritannien gibt es regionale Unterschiede. Grundsätzlich: Freies Stehen nur mit Genehmigung. Für Schottland gilt: wer einen angemessenen Abstand (von rund 15-20 Meter) zu öffentlichen Straßen einhält, niemanden stört oder behindert und sich (sofern erforderlich) das OK des Landbesitzers eingeholt hat, ist hier absolut auf der sicheren Seite. In England und Wales sind die Regeln strenger. Viele Parkplätze sind mit Schildern ausgestattet, die das Stehen über Nacht ausdrücklich verbieten.

In Spanien ist freies Stehen nur Genehmigung erlaubt. Allerdings gibt es keine landesweit einheitliche Regelung, wodurch die genaue Gesetzeslage eher unübersichtlich ist. Zum Beispeil darf man nicht in Wohngebieten, am Strand und näher als 1000m an Campingplätzen stehen. Auch nicht mehr als drei Nächte bleiben und maximal zehn Personen dürfen nächtigen. Das Einfachste: Offizielle Stell- oder Campingplätze aufsuchen. In Portugal ist das Wildcampen bzw. das freie Stehen mit dem Camper grundsätzlich verboten. Die Realität ist aber oft nicht so streng. So werden vor allem Surfer an Stränden oft geduldet.

In folgenden Ländern könnt ihr freies Stehen mit dem Camper KOMPLETT VERGESSEN: Tschechien, Albanien, Bosnien, Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Slowakei, Slowenien, Ukraine und Ungarn. Freies Stehen ist absolut verboten! Auch auf Privatgrund! Das heißt: Selbst wenn ihr auf eine gastfreundliche Bevölkerung trefft und beispielsweise ein Landwirt euch die Erlaubnis gibt, dass ihr auf seiner Wiese eine Nacht stehen dürft, bleibt das Kampieren an sich illegal und kann dazu führen, dass ihr nachts unsanft von der Polizei geweckt werdet. Hier sollte man sich auf jeden Fall nach einem Stell- oder Campingplatz umschauen.

Unterschätzes Campingparadies ist dagegen Rumänien und Weißrussland. Hier ist Camping uneingeschränkt gestattet. Also warum nicht mal dorthin?
Fazit
Für viele Länder ist es schwierig, klare und allgemein gültige Aussagen zu treffen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, welche Regelung für euer Urlaubsland oder eure Region gilt, helfen oft die Tourismusverbände der einzelnen Länder weiter. Auch beim ADAC gibt es diesbezüglich zahlreiche nützliche Informationen.
Wildcampen mit dem Camper
Checkliste für das freie Stehen mit dem Camper
    Egal welche örtlichen Regeln gelten, ein paar Dos und Don’ts gibt es in jedem Fall:

  • Naturschutzgebiete meiden

  • immer auf Flora und Fauna achten

  • nichts kaputt machen oder beschädigen → Sachbeschädigung

  • eigenen Müll IMMER mitnehmen und auch gerne den anderer

  • keine Abwässer (mit Spülmittel etc.) in die Natur ablassen
    Ausnahme: ihr nutzt biologisch abbaubare Spülmittel und Zahnpasta

  • spät ankommen, früh weiterfahren

  • keine laute Musik, Lärm oder sonstige Störungen

  • nie ohne Erlaubnis auf Privatgelände stellen → Hausfriedensbruch

  • kein offenes Feuer machen oder Grillen → Brandstiftung
    Übrigens: Auch Campingkocher gelten als „offenes Feuer“

  • Recherchieren und Fragen, wo was erlaubt ist

Quellen

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