Foto von CamperBoys Autorin

Vreni

Als Journalistin beschäftige ich mich leidenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Zero Waste ist ein wesentlicher Teil des Themas. Es ist ein Lifestyle, der versucht, jegliche Müllerzeugung zu vermeiden. Dabei geht es vor allem – aber nicht ausschließlich – um Plastikmüll. Das Thema klingt erstmal anstrengend und auch ich war und bin noch sehr am Anfang eines langen Weges. Aber es ist wie mit vielen Dingen: Es muss nicht perfekt sein! Jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein guter! Meine Devise lautet: Alles zu seiner Zeit. Es muss Spaß machen! Das Konzept von Zero Waste lässt sich auf jeden Fall auch im Camper umsetzen.

Zero Waste Camping

Beim Camping ist man eins mit der Natur. Das macht Camping aus. Doch leider machen wir diese schöne Natur auch oft kaputt durch Müll, umweltschädliche Abwässer und einfach indem wir nicht aufpassen. Wir haben für euch Tipps gesammelt, wie wir weniger Müll verursachen, um uns die schöne Natur zu erhalten, die uns so glücklich macht.
Ich packe meine Koffer und nehme mit...
…das Nötigste! Nachhaltigkeit beginnt schon zuhause beim Packen. Zero Waste ist stark mit dem Minimalismus-Gedanken verknüpft. Das bedeutet: Weniger ist mehr – die Backpacking-Philosophie. Sie lässt sich ziemlich gut beim Camping anwenden. Und mal ehrlich: Ja, unsere Camper sind geräumig, aber kein begehbarer Kleiderschrank. Und das ist doch auch gut so.

Gepäck

Achtet beim Packen darauf, wirklich nur das mitzunehmen, was ihr tatsächlich braucht. Je nach Länge des Campingtrips variiert das natürlich. Plant im Voraus. Seht euch den Wetterbericht an und packt entsprechende Kleidungsstücke ein. Für jede Wetterlage ein Stück genügt meist. Dann seid ihr vorbereitet. Und nicht zu vergessen: Weniger dabei zu haben, bedeutet auch, weniger Sprit zu verbrauchen.

Bücher

Papier ist zwar aus nachwachsendem Rohstoff, aber Holz ist ebenfalls eine wertvolle Ressource, von der zu viel verbraucht wird. Lesen auf dem Smartphone, Tablet oder eBook-Reader erspart nicht nur Gewicht und Platz, sondern auch Papier. Allerdings hat ein eBook Reader erst dann eine gute Ökobilanz, wenn ihr viel lest. Aber auch Hörbücher sind eine gute Alternative, während man im Campingstuhl den tollen Ausblick genießt.
Campingbus Interieur ausgestattet zum Zero Waste Camping
Essen
Essen und Trinken sind DIE Müllquellen Nummer eins beim Campen. Das belegte Brötchen vom Bäcker zum Frühstück, die Portion Nudeln zum Mitnehmen, der Coffee to go oder das Grillgut in der Alufolie. Grade unterwegs greifen wir oft darauf zurück und tappen in die Müllfalle. Die gute Nachricht: Ihr müsst auf gutes Essen nicht verzichten – im Gegenteil.

Vorbereiten und Einkaufen

Der beste Weg, Müll zu vermeiden, ist selbst zu kochen und kein abgepacktes Essen zu kaufen. Und wo macht kochen so viel Spaß, wie beim Campen. Aber auch hier könnt ihr Müll sparen. Überlegt euch schon bevor es losgeht – vielleicht sogar schon zuhause – was ihr in etwa kochen wollt, was ihr dafür braucht oder wie ihr die Rezepte eventuell vereinfachen könnt. Dann könnt ihr die Produkte und Lebensmittel teilweise schon von zu Hause mitnehmen und erspart euch, Sachen doppelt zu kaufen, obwohl ihr sie eigentlich zuhause habt. Das spart am Ende nicht nur Müll, sondern auch Geld. Bei mir darf zum Beispiel die Gewürzauswahl nie fehlen. Grade trockene Produkte wie Reis, Nudeln, Quinoa, Couscous, Müsli und Nüsse könnt ihr euch in Gläser oder Stoffbeutel abfüllen und die unterwegs direkt wiederverwenden. Beim Einkaufen lautet die Devise dann: Stoffbeutel statt Plastiktüte. Grade für kurze Besorgungen greifen wir schnell zu ihr. Auch Papiertüten sind keine allzu gute Alternative. Sie hat erst nach mindestens dreimaliger Benutzung einen besseren ökologischen Fußabdruck als die Plastiktüte. Mit einem Beutel fahrt ihr immer am besten. So könnt ihr auch beim Campen müllfrei einkaufen.

Besteck und Geschirr

Wir haben in jedem Camper ein komplettes Koch- und Geschirrset für euch mit an Bord. So braucht ihr sowieso nicht auf Plastikgabel und Pappteller zurückgreifen. Falls das nicht ausreichen sollte, oder ihr ohne Camper unterwegs seid, ist ein Besteck-Set aus Gabel, Löffel und Messer unverzichtbar. Gibt es in jedem Outdoor-Ausstatter. Mich persönlich hat es sogar auf Dienstreisen schon oft gerettet.

Auch ein Brettchen und ein dicht verschließbarer Teller, ein Schraubglas und eine Brotdose gehört zur Grundausstattung für unterwegs. Darin könnt ihr auch übriges Essen aufbewahren und sogar ToGo-Essen einfüllen lassen. Auch beim Einkauf können diese Utensilien gelegen kommen. Im Supermarkt oder auf dem einheimischen Wochenmarkt oder beim Bauern könnt ihr Lebensmittel wie Käse oder Fleisch an der Theke in die Dose oder das Glas füllen lassen.
Greift bei Geschirr, Dosen und Besteck dabei am besten zu Edelstahl. Das gilt auch für Campingkochtöpfe. Aluminium kann bei säurehaltigem Essen (wie z.B. Tomatensauce) ins Essen übergehen, ebenso wie die Weichmacher aus dem Plastik.

Ebenfalls zur Grundausstattung für den Urlaub unterwegs gehören: Stoffservietten oder Geschirrtücher statt der Küchenrolle, eine French Press oder Bialetti für den Gaskocher, und die, die es ganz genau nehmen, haben auch noch Edelstahl- oder Glasstrohhalme dabei.

Verzicht auf Alufolie und Alugrillschale

Eine beliebter Dauerbrenner beim Campingurlaub sind die berühmten Folienkartoffeln oder der Fisch in Alufolie, die bequem am Lagerfeuer oder auf dem Grill zubereitet werden. Allerdings ist Alufolie nicht nur gesundheitlich umstritten, sie hinterlässt auch einen wirklich miesen ökologischen Fußabdruck. Zwar kann Aluminium grundsätzlich gut recycelt werden, das für die Aluherstellung benötigte Bauxit wird aber unter unglaublich schlechten Bedingungen für Mensch und Umwelt abgebaut. Daher sollten wir es möglichst meiden. Stattdessen könnt ihr eine (gusseiserne) Pfanne für das Kochen unter freiem Himmel verwenden – die muss auch gar nicht neu angeschafft werden. Schaut einfach mal in eure Küchenschränke, ob es dort nicht noch die eine oder andere Pfanne gibt, die für diesen Zweck ausrangiert werden kann. Weitere Tipps bieten Seiten wie Smarticular.

Abwasch

Obwohl man im Urlaub ist, muss auch im Camper der Abwasch gemacht und gelegentlich der Putzlappen geschwungen werden. Wer nicht auf Kernseife, Essig und Backpulver als altbewährte Hausmittel zurückgreifen möchte, kann umweltfreundliche und biologisch abbaubare (!) Reinigungs- und Waschmittel kaufen (bei CamperBoys inklusive). Sie sind in Drogerien und Biomärkten erhältlich und stellen eine gute Alternative zu herkömmlichen Produkten dar. Mit an Bord sollten außerdem auswaschbare Tücher und Lappen, eine kompostierbare Bürste aus natürlichen Materialien und ein Topfkratzer zum Abwaschen sein.
CamperBoys Tasse und Kaffeekoche, gute zum Zero Waste Camping
Trinken
Trinkwasser

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Trinkwasser. Informiert euch vor der Abfahrt, wie die Trinkwasserqualität an eurem Ziel ist. Häufig könnt ihr Wasser aus der Leitung völlig bedenkenlos trinken. Sollte das Wasser nicht unbedenklich sein, könnt ihr überlegen, ob ihr auf Wasserfilter oder sogenannte Lifestraws umsteigen wollt. Der Wasserfilter sollte sich dabei nach Art der Verschmutzung richten. So gibt es viele Filter, die zwar Bakterien filtern, allerdings keine Viren. Lasst euch hierzu am besten in einem Fachgeschäft beraten. Oder kauft Trinkwasser einfach in möglichst großen Kanistern oder Containern, die ihr dann anschließend recyceln könnt.

Unterwegs

Zum Mitnehmen auf Wanderungen darf die Trinkflasche natürlich auch nicht fehlen. Plastikflaschen verursachen viel Müll. Grade wenn es Einwegflaschen sind, wie oft außerhalb Deutschlands. Und selbst wenn – es ist doch ein bisschen nervig, alle Flaschen einzusammeln und am Ende des Urlaubs säckeweise wieder im Supermarkt abzugeben. Und dann landet eben doch eine im Müll. Das muss nicht sein – mit einer Trinkflasche im Gepäck.
Optimal ist eine Glasflasche mit Schnappverschluss. Diese sind allerdings sehr schwer. Deshalb sind Trinkflaschen aus Kunststoff besonders beliebt unter Reisenden. Hier sollte man allerdings vorsichtig sein, aus welcher Art Plastik die Flasche besteht. Sie sollte frei von BPA sein, da das ins Wasser übergehen kann und gesundheitlich sehr bedenklich ist. Auch Aluflaschen können innen nicht sichtbar mit Plastik beschichtet sein. Und auch wenn nicht, gilt hier wieder: Vorsicht vor Säure z.B. in Säften oder Tees. Flaschen aus Edelstahl sind ein guter Kompromiss und besonders robust.

Und der Coffee to go?

Dass ToGo-Becher eine kleine aber schwere Umweltsünde sind, ist mittlerweile ziemlich bekannt. Der Grund: Die Becher bestehen aus Verbundmaterialen, die schwer bis gar nicht recycelbar sind. Die bessere Alternative für den Kaffee an der Raststätte: Mehrweg-ToGo-Becher, die ihr schon dabei habt. Gibt es auch als Thermovariante, damit der Kaffee oder Tee heiß bleibt.
Zero Waste im Bad
Hygiene und Bad
Hygiene ist ein wichtiges Thema – auch bei Zero Waste. Denn auch hier fällt jede Menge Müll an. Der Müll im Badezimmer ist momentan noch meine persönliche Schwachstelle. Konventionelles Duschgel und Shampoo sind einfach so praktisch. Leider sind sie aber nicht nur in Plastikflaschen zu kaufen, sie enthalten auch häufig Mikroplastik, das unsere Umwelt, sowie Mensch und Tier extrem schadet. Was stattdessen also nutzen?

Fragt mal die Oma

Die kannte es noch, das gute alte Seifenstück. Feste Seife gibt es sowohl zum Duschen als auch als Haarseife. In einer Dose lässt sie sich auch super beim Campen mitnehmen. Und in einem praktischen Seifennetz schäumt sie wie Duschgel. Ich bin mittlerweile verliebt.
Dasselbe gilt auch für Deo. Auch das gibt es mittlerweile in fester Form ohne Verpackung. Oder ihr mischt es euch selbst zusammen. Smarticular hat einige tolle Rezepte dafür. Anstelle der Bodylotion könnt ihr Öl verwenden. Zum Beispiel Olivenöl, Sesamöl oder Sonnenblumenöl. Es sollte ein natives Öl sein. Das könnt ihr in der Küche gleich mitnutzen. Was ihr esst, wird eurer Haut nur guttun.
Im Allgemeinen solltet ihr beim Campen in der Natur darauf achten, biologisch abbaubare Seifen und Reinigungsprodukte zu verwenden. Dann spricht auch nichts dagegen, das Dusch- und Abwaschwasser im Freien abzulassen.

Zweimal täglich drei Minuten

Auch Zähne putzen geht müllfrei. Ersatz für die Zahnbürste aus Plastik sind solche aus Bambus oder Holz. Sie sind oft bis auf die Borsten kompostierbar. Als Ersatz für Zahncreme teste ich grade Zahnputztabletten. Man kann sie online bestellen oder in Unverpacktläden kaufen. Ehrliches Urteil: Etwas gewöhnungsbedürftig, aber absolut ok. Und das obwohl ich sehr skeptisch war. Ein Päckchen Natronpulver sollte sowieso nie unterwegs fehlen. Damit kann man notfalls nicht nur Zähne putzen, sondern auch stark verschmutze Pfannen reinigen. Es ist ein wahrer Alleskönner.

Weniger ist mehr

Über die Frage, ob man sich im Urlaub wirklich schminken muss wie für einen Discoabend lässt sich vielleicht streiten. Aber wie so häufig gilt auch im Bad: Weniger ist mehr! Viele Cremes und Döschen brauchen wir überhaupt nicht. Schon gar nicht im Camper, in dem man eh schon auf kleinstem Raum lebt. Wer auch beim Campen nicht auf Make-up verzichten möchte, kann abends die Schminke einfach mit Öl und einem auswaschbaren Läppchen entfernen. So spart ihr euch die Wattepads und Abschminktücher.
Foto von CamperBoys Autorin vor See
Und der wichtigste Tipp: Stresst euch nicht!
Ihr seid im Urlaub! Das ist die Zeit, in der man entspannt und Stress hinter sich lässt. Deshalb sollte Nachhaltigkeit auch auf keinen Fall zum Stressfaktor werden. Manchmal führt auch hundertprozentiger Einsatz nicht zu völliger Müllvermeidung. Glasflaschen ohne Pfand oder auch die Verpackung von Milchprodukten, die manchmal nur schwer in Pfandgläsern zu kaufen sind, fallen trotz aller Bemühungen an. Und das ist auch ok. Ihr habt es versucht. Entsorgt solche Überbleibsel einfach dort, wo sie ordentlich recycelt werden können.

Schönen Urlaub!

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