Wildcampen in Österreich – Was erlaubt ist und was nicht

18. August 2022

Ganz ehrlich: Unser Nachbarland hat schon einiges zu bieten! Schneebedeckte Gipfel, kristallklare Bergseen und wunderbare grüne Almwiesen. Österreich besticht vor allem durch seine wunderschöne Natur und spektakulären Berge. Hier ist für jeden etwas dabei, egal ob im Sommer oder zur Winterzeit. Um die Natur in vollen Zügen zu genießen bietet sich Wildcamping natürlich an – aber Achtung: Österreich ist nicht Skandinavien, wo man mit dem sog. „Jedermannsrecht“ relativ großzügige gesetzliche Rahmenbedingungen und Zugeständnisse zum Zelten in freier Natur auf seiner Seite hat. In Österreich ist die Gesetzeslage deutlich restriktiver und besonders knifflig dabei: je nach Bundesland bestehen gravierende Unterschiede.

Ist Wildcampen und Frei Stehen in Österreich erlaubt?

Ob mit dem Zelt mitten im Wald oder mit dem Campingfahrzeug am Straßenrand: In Österreich ist das freie Stehen bzw. Übernachten abseits der offiziellen Campingplätze großteils verboten und kann mitunter hohe Strafen nach sich ziehen. Eine einheitliche Regelung für das Wildcampen in Österreich gibt es allerdings nicht.

Absolut eindeutig ist die rechtliche Lage für das Zelten im Wald. Das Kampieren im gesamten Waldbereich ist gesetzlich verboten! Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn eine ausdrückliche Zustimmung des Grundeigentümers vorliegt.

Die konkreten Regelungen und Strafhöhen für das Campen außerhalb des Waldbereichs sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Es ist also unter Umständen möglich, dass Du außerhalb von Campingplätzen an bestimmten Orten oder zu bestimmten Anlässen mit Deinem Camper stehen darfst.

 

Ausnahmen bilden außerdem das Not-Biwakieren und Pause machen im Camper abseits der Campingplätze. Das solltest Du allerdings nicht für Deinen Campingurlaub ausnutzen, denn so eine Pause ist nur erlaubt, damit Du wieder fahrtüchtig wirst!

Die Missachtung der Regeln tun nicht nur dem Geldbeutel weh. Für das Wildcampen und frei stehen, abseits von offiziell ausgeschriebenen Campingplätzen können Strafen zwischen 5 € und 500 € auf Dich zu kommen. Solltest Du beim Wildcampen in einem Naturschutzgebiet, Nationalpark oder Sonderschutzgebiet erwischt werden, können Dir Strafen bis zu 14.500 Euro betragen. Zum anderen erhöhst Du gleichzeitig das Risiko, dass die jeweiligen Gemeinden die Wildcampingregeln noch weiter verschärfen oder das Stehen mit dem Wohnmobil komplett verboten wird.

Wo kannst Du mit dem Camper stehen?

Wir haben Dir eine Liste zusammen gestellt in welchen Bundesländern Du mit Deinem Camper eher toleriert wirst und welche Gebiete Du zum Wildcampen und frei stehen meiden solltest.

Burgenland

Hier ist das Zelten mit weniger als zehn Personen für maximal drei Nächte gestattet. Wildcampen in freier Wildbahn – also außerhalb von Ortsgebieten und abseits von öffentlichen Campingplätzen – ist verboten.

Oberösterreich

Wenn Du in Österreich irgendwo wildcampen kannst, dann solltest Du nach Oberösterreich fahren, denn dort ist es oberhalb der Baumgrenze und abseits von Weiden erlaubt. Auch wenn es sich mit dem Camper schwierig gestaltet in luftigen Höhen zu lagern – mit dem Zelt auf dem Berg zu schlafen ist auf jeden Fall ein einzigartiges Abenteuer!

Salzburg und Vorarlberg

Hier wird vom Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde bestimmt ob und in welcher Höhe Strafen für Wildcampen geltend gemacht werden. Das Camping im alpinen Ödland ist erlaubt, solange es im Einklang mit der Natur geschieht. Wenn das Wildcampen gegen die Interessen der Natur oder Landwirtschaft fällt, können es die Stadtoberhäupter verbieten. Außerdem brauchst Du in der Nähe von Seen eine extra Genehmigung.

Steiermark

Für die Steiermark gibt es keine Bestimmungen, die sich ausdrücklich auf die Zulässigkeit oder das Verbot des Campens beziehen. Es ist ratsam, dass Du dir für das freie Stehen die Genehmigung der Behörden einholst. Aber die Steiermark ist eine gute Adresse für Wildcampingfans.

Kärnten

Kärnten gehört zu den beliebtesten Reisezielen für den Urlaub mit dem Reisemobil. Gemäß dem dortigen Naturschutzgesetz ist es in der freien Landschaft allerdings verboten, außerhalb von Campingplätzen und auch auf sonstigen Flächen wie Vorgärten, Haus- und Obstgärten zu zelten oder Wohnwagen abzustellen.

Niederösterreich

In Niederösterreich solltest Du das Campen in der Wildnis definitiv lassen. Mobiles Kampieren ist streng verboten. Das Verbot gilt allerdings nicht für das alpine Biwakieren. Geplantes Biwakieren ist hingegen verboten und es drohen Geldstrafen bis zu 3.630 Euro.

Tirol

Tirol hat sehr strenge Regelungen was das Camping außerhalb von Campingplätzen angeht. Das Tiroler Campinggesetz besagt ganz klar: „Das Kampieren außerhalb von Campingplätzen ist verboten, ausgenommen auf Grundflächen, für die eine Verordnung […] erlassen worden ist.“ Hier erwarten Dich saftige Strafen bei Missachtung.

Wie finde ich passende Campingplätze?

Campingplätze in Österreich gibt es für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Einige davon liegen an Seen mit Blick auf die Berge, andere näher an Städten. Du kannst Dich durch zahlreiche Apps klicken und Dir unter den rund 600 Campingplätzen einen aussuchen. Dir ist das zu stressig? Dann lass Dir Deinen Urlaub individuell von uns planen. Der CamperBoys Routenservice biete Dir Inspiration für Campingplätze, Restaurant und Aktivitäten.

Worauf solltest Du achten?

Du solltest Dir vor allem die Camper-Etikette zu Herzen nehmen. Es ist wichtig, dass Du der Landwirtschaft und dem Tourismus nicht schadest und Dein Verhalten immer mit dem Einklang mit der Natur steht. Verlasse Deinen Campingplatz genauso, wie Du ihn vorgefunden hast – wenn nicht noch schöner. Vom Verschmutzen oder Zerstören der Umwelt hat keiner was davon!

Außerdem solltest Du Dich erkundigen, ob Deine Tour durch ein Schutzgebiet führt und dafür gesonderte Regen zu beachten sind. Eine alpenweiten Überblick über Schutzgebiete bietet das Netzwerk Alpiner Schutzgebiete.

Zu Deiner eigene Sicherheit, ist es wichtig stets das Wetter im Blick haben, denn dieses kann im alpinen Ödland relativ schnell umschwingen. Solltest Du sicher sein frei stehen zu können, achte darauf, dass Du auf sicherem Untergrund mit Deinem Camper stehst und weißt, wo Du im Notfall Hilfe holen kannst.

Fazit

Der Blick auf die Gesetzeslage zeigt, dass diese alles andere als einheitlich und besonders „wildcampingfreundlich“ ist. In Österreich empfiehlt es sich in jedem Fall, im Vorhinein die geltenden Rahmenbedingungen des jeweiligen Bundeslandes zu studieren. Aber dann steht Deinem abenteuerlichen Campingurlaub nichts mehr im Wege.

Übrigens: Laut einer Untersuchung des ADAC liegt Österreich auf Platz drei der günstigsten Campingplätze Europas. So zahlen zwei Erwachsene mit einem Kind für eine Übernachtung auf einem Campingplatz im Durchschnitt 34,31 €, inklusive Stellplatz und Nebenkosten.